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Unerwarteter Besuch
(Отрывок из художественного произведения)
… Der Vater geht zum Wohnzimmerschrank. Er zieht die Schublade auf. Er kramt in der Schublade, schiebt sie zu. Er geht zu den Bücherregalen, tastet mit dem Finger über die Bücher, zieht ein Buch heraus, schlägt es auf. Er zieht den Couchtisch mit den Fingern nach vorn und Couch zur Couchmitte hin. Er setzt sich hin, schiebt das Kissen beiseite. Hans schließt hinter sich die Tür. Anna und Hans setzen sich, Anna in den Sessel dem Vater gegenüber. Ihre Hände liegen auf den Sessellehnen, die Füße in den weißen Absatzschuhen stehen auf dem Teppich. Der ist wie die Couch dunkelgrün. Hans sitzt in dem Sessel vor der Anrichte. Die Anrichte ist schwarz wie der Wohnzimmerschrank neben der Verbindungstür, sie führt zu Annas Schlafzimmer. Anna sagt: „Wie wäre es mit einem Kaffee? Oder lieber einen Kognak?" Hans steht auf und geht hinaus: „Viele Jahre lang keinen Brief, kein Wort an den Sohn!", sagt er zu sich. Auf der Diele brennt eine Lampe, hoch und trübe. Die Flurgarderobe liegt im Halbschatten. Hans, an der Küchentür (sie ist verglast), hört: „Haben Sie eine gute Reise gehabt?" „Ja, danke." Dann tastet Hans nach dem Lichtschalter und knipst das Licht an. Er zieht die Küchentür hinter sich zu: Hans nimmt aus dem Kühlschrank eine Flasche Kognak. Er stellt die Flasche auf den Kühlschrank, wendet sich dem Küchenbüffet zu, zieht eine Schublade auf und sucht zwischen Messern, Gabeln, Löffeln nach dem Korkenzieher. Er fasst die Kognakflasche am Hals und treibt den Korkenzieher in den Korken und entkorkt die Flasche. Dann wirft er den Korken in den Abfalleimer und den Korkenzieher zurück in die Schublade…
Der Vater geht auf das Schlafzimmer zu, dreht sich auf der Schwelle um und sagt: „Also gute Nacht." „Schlafen Sie gut", ruft Anna ihm hinterher. Der Vater schließt die Tür hinter sich. Hans knipst das Licht aus und geht über die Diele in sein Studierzimmer. In der Dunkelheit tastet er sich zu dem Sessel am Fenster hin und setzt sich. Eine Weile sitzt er reglos. Seine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit: die Möbel tauchen empor wie drohende Schatten. Hans kennt sie genau: den Bücherschrank neben sich, eigentlich ein Regal, bis unter die Decke vollgestopft mit Fachliteratur und Belletristik, den Schreibtisch, den Hocker davor, die Liege neben dem Schreibtisch, den Kachelofen in der Ecke. Hans öffnet das Fenster und atmet die frische Luft ein.
Student sucht Zimmer
Ernst Hahn, 26, Student der Rechte, Stipendiat, achtes Semester, dritter Sohn eines Lehrers in Hessen sucht in einer Universitätsstadt ein möbliertes Zimmer. Er sucht seit Monaten, treppauf und treppab, immer vergeblich. Inzwischen schläft er und studiert die Gesetze und seine Kolleghefte auf öffentlichen Bänken, in abgestellten Straßenbahnen, in leer stehenden Gartenhütten. Manchmal hat er Glück und schläft sich in dem Zimmer bei einem Studienkollegen aus. Aber schließlich braucht auch ein Student eine feste Bleibe. Er inseriert in der Zeitung nach einem möblierten Zimmer.
Das Fräulein mit Brille nimmt das Inserat entgegen, liest es durch und sagt: „Erwähnen Sie doch einige Ihrer Vorzüge in der Anzeige. Wissen Sie, auf so etwas Sachliches wie ‚Student sucht einfaches Zimmer' reagiert heutzutage niemand mehr."
Sie schreiben das Inserat gemeinsam in harter Arbeit. Schließlich hat es folgenden Wortlaut: „Student aus guter Familie, unbescholten, Nichtraucher, Antialkoholiker, 1,82 groß, gesund, verträglich, gesellig, fleißig, ordentlich, solide, kein Nachtarbeiter, kein Langschläfer, sehr häuslich, verrichtet alle Reparaturen, kocht gern, wäscht, bügelt, klopft Teppiche, sucht ein Dach über dem Kopf."
Ohne allzu große Hoffnung kommt Ernst Hahn drei Tage später zurück. Das völlig verwirrte Fräulein mit Brille schleppt einen ganzen Postsack voller Briefe herbei. Der Student traut seinen Augen nicht vor den Briefen mit Angeboten. Er bedankt sich bei dem Fräulein mit Brille, aber das Fräulein gesteht ihm errötend: „Mir ist ein Irrtum unterlaufen." „Sind diese Briefe nicht für mich?", fragt der Student enttäuscht. „Doch", sagt die Dame. „Alle diese Briefe sind für Sie." „Wo liegt denn der Irrtum?" „Ihr Inserat erschien in der Zeitung nicht unter ‚Möbliertes Zimmer gesucht', sondern unter ‚Heiratswünsche'."